Köpfe der Wissensregion Düsseldorf: Dr. Marcel Solar

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf versteht sich als „Bürgeruniversität“. Damit drückt sie ihren Anspruch aus, in Düsseldorf einen besonderen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern zu wollen. Das geschieht u.a. durch öffentliche Veranstaltungen, Diskussionsforen und weitere Formate, die die Interaktionen zwischen Wissenschaftler/innen und Bürger/innen ermöglichen.

Als Gründungsmitglied der Wissensregion Düsseldorf setzt die HHU damit zwei Schwerpunkte: den Dialog mit Bürger/innen im Rahmen der Bürgeruniversität sowie den Austausch mit anderen Wissensinstitutionen, den Unternehmen und der Stadt Düsseldorf im Rahmen der Wissensregion Düsseldorf.

Am Rande der ersten großen Veranstaltung der Reihe „Bürgeruniversität aktuell“ haben wir mit Dr. Marcel Solar, dem Leiter der Stabsstelle Bürgeruniversität, gesprochen:

Herr Dr. Solar, Sie haben diesen Sommer als Leitung der Stabsstelle Bürgeruniversität an der HHU begonnen. Was ist Ihr Ziel, warum braucht es den Wissens-Dialog mit der Bürgerschaft?

Den Dialog zwischen Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürgern bedarf es unserer Meinung nach aus verschiedenen Gründen. Zuvorderst sehen wir es als unsere gesellschaftliche Verantwortung an, unser Wissen und unsere Forschungsergebnisse zu teilen und im gewissen Sinne an die Bürgerinnen und Bürger „zurückzugeben“. Wir wollen uns als HHU also einbringen in die aktuellen Debatten. Auf der anderen Seite können wir auch selbst lernen und Impulse aus der Gesellschaft für Forschung und Lehre aufgreifen. Das Ziel ist es, diesen wechselseitigen Dialog selbstverständlich zu machen. Für interessierte Bürgerinnen und Bürger, die die HHU noch ein Stückchen stärker als Ort und Motor der Debatte in unserer Stadt wahrnehmen. Und für die Angehörigen und Mitglieder der HHU, die neue Wege gehen, ihr Wissen und ihr Engagement Richtung Gesellschaft zu teilen. Auf dem Weg wollen für sie unterstützen.

 

Können Sie in einem Satz zusammenfassen, warum eine ‚Bürgeruniversität‘ gerade in Düsseldorf richtig aufgehoben ist?

 

Weil wir uns Düsseldorf als weltoffene und moderne Metropole am Rhein nicht ohne das vielfältige Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger in Vereinen, Initiativen, Politik und Kultur vorstellen könnten.

Sind die Düsseldorfer/innen besonders interessiert an Wissenschaft? Und gibt es Favoriten, Themen oder Fachbereiche die besonders nachgefragt sind?

Ja, wir treffen hier in Düsseldorf und Umgebung sicherlich auf ein sehr aufgeschlossenes Umfeld was wissenschaftliche aber auch kulturelle Themen angeht. Was die Favoriten angeht, kann man wieder einmal feststellen, dass da jeder Jeck anders ist. Da reichen die „Geschmäcker“ von der Mittelalterforschung über wirtschaftspolitische Themen bis zur Rolle künstlicher Intelligenz in den Herausforderungen der Zukunft. Zudem kommt es auch immer darauf an, wie man ein Thema aufbereitet und welche Zugänge man z.B. über das Veranstaltungsformat schaffen kann. Wenn das interessant ist, guckt man doch auch gerne mal über den Tellerrand und lässt sich auch auf neue Themen ein.

Haben Sie eine Lieblingszielgruppe?

Das kann man so nicht sagen, in jedem Fall ist es aber unser Anspruch, verschiedene Zielgruppen zu erreichen und für wissenschaftliche Themen und Fragestellungen zu begeistern. Und da muss man sicherlich schauen, welche Angebote für welche Zielgruppen interessant sein können. Das mag für eine Jugendliche z.B. anders aussehen als für mich als Familienvater. Deshalb möchten wir z.B. über das Programm Bürgeruniversität ein möglichst vielfältiges Angebot machen und über die Zeit schauen, mit welchen Formaten und Veranstaltungen man verschiedene gesellschaftliche Gruppen noch einmal gesondert erreichen kann. In Zeiten der Fridays for Future-Bewegung ist es aber sicherlich reizvoll zu überlegen, wie man gerade eine Brücke zu jungen Menschen schlagen kann, die sich schon von selbst auf den Weg machen, sich einzubringen.

Am 26.11.2019 fand die erste Veranstaltung der neuen Reihe ‚Bürgeruniversität aktuell‘ statt. Es wurde zum Thema Brexit diskutiert. Wie war Ihr Eindruck und welche Themen stehen für die Reihe in Zukunft an?

Die Veranstaltung schätze ich als sehr gelungen ein, weil wir an dem Abend ein sehr aktuelles Thema mit Wissenschaftlern der HHU sowie Vertretern der Praxis und vor allem den zahlreich erschienenen Interessierten diskutieren konnten. Genau diesen Gedanken verfolgen wir auch im kommenden Jahr: Themen, die die Gesellschaft bewegen zeitnah aufzugreifen und einen Ort bzw. ein Format zu schaffen, um in einen fundierten Dialog einzutreten. Und das Spannende ist, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau wissen, welche Themen das im kommenden Jahr sein werden. Es stehen beispielsweise Kommunalwahlen in NRW auf dem Plan, die Wiedervereinigung jährt sich zum 30. Mal und im November 2020 entscheiden die Menschen in den USA, ob Donald Trump in eine zweite Amtszeit als US-Präsident geht. Da ist also durchaus „Stoff“ vorhanden, Überraschungsthemen werden aber auch aufkommen. Fest steht gerade eigentlich nur, dass der nächste „Bürgeruniversität aktuell“-Termin am 10. März 2020 im Haus der Universität ansteht. Und dass es sich lohnt, vorbeizukommen und mitzudiskutieren.

Wie können sich interessierte Bürger/innen, aber auch Partnerinstitutionen in der Wissensregion Düsseldorf wie die IHK oder die Stadt Düsseldorf bei Ihnen engagieren?

Bürgerinnen und Bürger sind zunächst einmal herzlich eingeladen, Veranstaltungen aus dem seit diesem Wintersemester 2019/2020 regelmäßig erscheinenden Programm Bürgeruniversität wahrzunehmen. Für weitere Aktivitäten und Ideen steht die Stabsstelle Bürgeruniversität gerne als Ansprechpartner zur Verfügung, um gemeinsam auszuloten, wie man das Engagement aufgreifen kann. Dasselbe gilt natürlich auch für die Partnerinstitutionen aus der Wissensregion. Es wäre spannend, gemeinsam über Veranstaltungen oder andere Angebote nachzudenken, mit denen ein Dialog über wissenschaftliche Themen ausgeweitet werden kann. Oder wie z.B. für Studierende neue Perspektiven auf und in die Stadt Düsseldorf eröffnet werden können. Die Ziele der Wissensregion decken sich da sicherlich mit einigen Anliegen, die mit dem Gedanken der Bürgeruniversität verknüpft sind. Dazu kann man sagen, dass bereits an vielen Stellen der Gesprächsfaden aufgenommen wurde.

Wird es in Zukunft ganz neue Formate der „citizen science“, der „Bürgerwissenschaft“ geben, die wir uns heute im klassischen Forschungs- und Lehrbetrieb noch gar nicht vorstellen können? Was für eine Wunschaktion oder Wunschformat würden Sie verwirklichen, wenn Sie unbegrenzte Möglichkeiten / Mittel für die Bürgeruniversität hätten?

Ja, tatsächlich fördert die HHU seit diesem Jahr Forschungsvorhaben mit Bürgerbeteiligung, erst vor wenigen Wochen wurde der Auswahlprozess der ersten Förderrunde abgeschlossen. Mit über 170.000 € werden nun insgesamt drei Forschungsprojekte aus der Medizin, den Sozialwissenschaften und der Sprachwissenschaft gefördert, in allen Projekten forschen Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit HHU-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Perspektivisch wäre es sicher spannend, mit der Bürgeruniversität noch stärker in die Stadt einzutauchen, also Angebote direkt vor Ort in den Quartieren Düsseldorfs zu machen. Da kann man gespannt sein, wo die Reise hin geht.

Und zum Schluss: Woran sollen die Bürger/innen sofort denken, wenn man sie nach der Bürgeruniversität fragt?

Da wir vielfältige Zugänge zur Wissenschaft und der Idee der Bürgeruniversität schaffen möchten, schwebt mir da gar nicht der eine Gedanke oder das eine Bild vor, dass wir heraufbeschwören wollen. Schön fände ich es aber in der heutigen Zeit, wenn möglichst viele Menschen den Austausch miteinander suchen und gemeinsam über die anstehenden Herausforderungen sprechen. Und dann im Hinterkopf haben, dass die Bürgeruniversität in Düsseldorf einen Rahmen und einen Ort für diese Diskussionen bietet.

Wir danken für das Gespräch!

Das Programm der Bürgeruniversität können Sie sich hier anschauen.

(Beitragsfoto: Herff, Bonn)