Edeltraud Vomberg im Interview

Die Pläne der neuen Präsidentin der Hochschule Düsseldorf

Prof. Dr. Edeltraud Vomberg ist als Nachfolgerin von Brigitte Grass seit dem 1. Juni 2019 Präsidentin der Hochschule Düsseldorf und sowie stellvertretende Vorsitzende der Wissensregion Düsseldorf. Im Interview mit Dr. Christina Rauh erzählt sie, wie Sie die Region Düsseldorf wahrnimmt, welche Ziele sie in den kommenden Jahren verfolgen möchte – und, was Sie jungen Menschen in der Wissensregion Düsseldorf mit auf den Weg gibt.

Christina Rauh: Sie kommen als Sozialdezernentin der Städteregion Aachen in die Wissensregion Düsseldorf. Was reizt Sie an der Landeshauptstadt, gerade auch im Hinblick auf die Wissenslandschaft hier vor Ort?

Edeltraud Vomberg:
Unsere Hochschule Düsseldorf ist so vielfältig, dass ich ganz begeistert bin, welche Ideen hier entwickelt und weitergesponnen werden. Mit dem neuen Campus haben wir hier hervorragende Optionen, Wissenschaft und Praxis zu verzahnen und dies interdisziplinär zwischen den Fachbereichen, aber auch in enger Zusammenarbeit mit den Akteuren in der Stadt und Region zu tun. Auch wenn ich mich in der Stadt noch weiter orientieren muss, so sehe ich schon, dass sie zahlreiche – auch kooperierende – Institutionen in der Bildungslandschaft bietet. Auch die Nähe zu den unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen, die Nähe zu Landesinstitutionen und die Lage mitten zwischen verschiedenen anderen Hochschulen für angewandte Wissenschaft im Rheinland geben uns viele Chancen der Weiterentwicklung.

Ziele Vombergs: Transdisziplinarität, Digitalisierung und lebenslanges Lernen

C. Rauh: Welche Pläne haben Sie für die Hochschule Düsseldorf – wohin soll sich die HSD in den kommenden Jahren unter Ihrer Leitung bewegen?

E. Vomberg: Es gibt verschiedene Ziele, die ich verfolgen möchte. Das erste Ziel ist sowohl nach innen gerichtet als auch nach außen. Ich möchte die interne Kooperation – insbesondere über die Fachbereiche hinweg – im inter- und transdisziplinären Bereich fördern, um dadurch Probleme und Herausforderungen der modernen Gesellschaft besser lösbar zu machen.

Das zweite Ziel ist darüber hinaus, zusammen mit vielen Akteuren der HSD, die sich schon auf den Weg gemacht haben, das interdisziplinäre Zentrum für Digitalisierung und Digitalität zu realisieren. Damit sind wir auf einem guten Weg, brauchen aber auch noch vielfältige Unterstützung bei der Realisierung, insbesondere der Finanzierung, auch eines weiteren Neubaus auf dem Campus. Wenn alles gut läuft, werden bald (Wintersemester 20/21, SS 21 oder WS 21/22) schrittweise verschiedene Studienangebote vorhanden sein, die ganz neue Profile für berufliche Kompetenzen in der digitalen Welt anbieten.

Und mein drittes Ziel ist es, duale und weiterbildende Studiengänge zu stärken, da ich einen hohen Bedarf an lebenslangem Lernen sehe, den wir sicherlich auch mit erfüllen können. Dazu braucht es aber auch Ressourcen, die derzeit noch in den hohen Studierendenzahlen der grundständigen Studiengänge gebunden sind. Das wird sicherlich eine längerfristige Entwicklung sein.

Ich habe auch noch weitere Ideen, zu denen ich aber lieber zunächst in der Hochschule ausleuchte, ob und wer diese mitgehen möchte. Ich möchte bei den Entwicklungen die Fachbereiche und die Verwaltung mit ihrem Personal mitnehmen, denn diese müssen die Ideen gut finden und mit mir gemeinsam umsetzen. Anders würde es nicht gelingen.

“Lernen kann man am meisten von den Dingen und den Menschen, die anders sind.”

C. Rauh: Die Formate der Wissensregion Düsseldorf, wie das Innovationssemester, sind in ihrem Kern stets kooperativ ausgerichtet – sowohl fächer-, als auch hochschul- und branchen-übergreifend. Welchen Mehrwert sehen sie in solchen Kooperationen, für die Institutionen wie Ihre Hochschule, aber auch für die teilnehmenden Studierenden und Berufstätigen in Düsseldorf? Was können Sie voneinander lernen?

E. Vomberg: Primär sehe ich darin die Chance zu einer Erfahrung, die über den eigenen Tellerrand hinausgeht. Die jungen Menschen werden an neue Wissenstatbestände herangeführt, können sich in neuen Formaten ausprobieren und mit Menschen zusammenkommen, denen sie sonst nicht begegnen würden. Sie können in andere institutionelle Kontexte eintreten und sich selbst dort in neuen Rollen erfahren. Ich würde mir wünschen, dass auch junge Menschen in betrieblicher Ausbildung diese Chance nutzen, nicht, damit sie auch noch studieren, sondern um die Zusammenarbeit in Teams zu erfahren, die aus Menschen ganz unterschiedlicher Bildungsherkunft und institutioneller Herkunft besetzt sind. Was sie voneinander lernen können, ist vor allem füreinander Respekt zu haben und die Denkwelten der jeweils anderen kennen zu lernen. Ich glaube, dass wir das in unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation mehr denn je brauchen: die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, zu Respekt und Anerkennung derer, die anders sind, anders arbeiten und lernen und anders leben.

C. Rauh: Wenn Sie den jungen Menschen in der Wissensregion Düsseldorf eine Botschaft mit auf den Weg geben könnten, welche wäre das?

E. Vomberg: Nutzen Sie jede Chance, neue und herausfordernde Erfahrungen zu machen. Diese machen Sie stark, sowohl für die vielfältigen beruflichen Herausforderungen, die noch kommen werden, als auch für die privaten. Lernen kann man am meisten von den Dingen und den Menschen, die anders sind.