Nachhaltigkeit im Handwerk: Ein Gespräch mit dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Dr. Axel Fuhrmann

In unserer neuesten Blogreihe beleuchten wir, die Wissensregion Düsseldorf e.V. (im Folgenden Wissensregion) die Nachhaltigkeitsbemühungen in verschiedenen Industriezweigen. Für den heutigen Beitrag haben wir mit dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Dr. Axel Fuhrmann, gesprochen, um zu erfahren, wie das Handwerk in der Region Düsseldorf zur Nachhaltigkeit beiträgt und welche Pläne für die Zukunft bestehen.

Wissensregion: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Gespräch nehmen. Lassen Sie uns gleich eintauchen: Wie engagiert sich die Handwerkskammer Düsseldorf für Nachhaltigkeit und welche Zukunftspläne gibt es in diesem Bereich?

Dr. Fuhrmann: Das Thema Nachhaltigkeit ist tief in unserer Organisation verwurzelt und manifestiert sich in drei wesentlichen Bereichen.

Zunächst einmal unser Engagement direkt am Standort. In den letzten fünf bis sechs Jahren haben wir umfangreiche Modernisierungen an unseren Gebäuden am Georg-Schullauf-Platz durchgeführt, die zwischen 1964 und 1999 erbaut wurden. Dabei haben wir nicht nur auf einem der Dächer eine Photovoltaik-Anlage mit 88 Kilowatt-Peak installiert, sondern erwarten die Fertigstellung einer weiteren Anlage mit 53 Kilowatt-Peak. Alle unsere Gebäude sind nun vollständig mit LED-Beleuchtung ausgestattet, und wir haben auch in energieeffizientere PCs investiert sowie den Wasserverbrauch reduziert. Aktuell sind wir dabei die Umstellung unseres Fuhrparks auf (plug-in-) Elektroautos und den Einsatz von Dienstfahrrädern zu organisieren, was unsere tägliche Mobilität nachhaltiger gestaltet.

Ein weiteres großes Projekt, das bald startet, ist der Abriss eines unserer Werkstattgebäude, um es durch ein Niedrigenergiegebäude zu ersetzen, das mit einer umfassenden PV-Anlage und einem Erdwärmesystem (Geothermie) ausgestattet sein wird.

Der zweite Bereich ist unsere Unterstützung für die Betriebe. Das Umweltzentrum Handwerk in Oberhausen, das wir seit Mitte der 90er Jahre betreiben, entwickelt Weiterbildungsmaßnahmen und Projekte in Zusammenarbeit mit den Betrieben. Die Themen reichen von zirkulärem Bauen über Reparieren statt Neukauf bis hin zu Mobilität und Energieeffizienz. Dieses Zentrum ist ein integraler Bestandteil unseres Netzwerks und bietet eine Plattform, um Nachhaltigkeit direkt in die tägliche Praxis der Handwerksbetriebe zu integrieren.

Der dritte Aspekt betrifft unsere politische Arbeit. Wir sind aktiv in verschiedenen Klima- und Mobilitätspakten mit Städten wie Düsseldorf und Essen engagiert. Unser Ziel ist es, Nachhaltigkeitsthemen in die Betriebe zu tragen und sie zu ermutigen, an diesen Initiativen teilzunehmen. Wir haben beispielsweise vor etwa zehn Jahren die erste Messe für Lastenfahrräder organisiert, um den Betrieben zu zeigen, wie sie nachhaltige Mobilitätslösungen effektiv nutzen können.

Wissensregion: Wie integriert die Handwerkskammer Nachhaltigkeit in ihre Ausbildungsprogramme?

Dr. Fuhrmann: Bildung ist ein zentraler Pfeiler unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Jeder Ausbildungsberuf beinhaltet Lehrplanmodule zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Diese sind nicht nur Pflicht, sondern auch zentral für die Ausbildung in modernen Handwerksberufen. Unsere Akademie in Düsseldorf hat jedes Jahr etwa 4.000 Teilnehmer, davon rund 1.000 Meisterprüfungen. Hier legen wir besonderen Wert darauf, dass Nachhaltigkeit nicht nur theoretisch vermittelt wird, sondern dass die Meisterschüler auch praktische Beispiele und Techniken erlernen, um diese Konzepte im täglichen Handwerk umzusetzen. Dies hat sich mittlerweile für jeden Beruf als Standard etabliert.

Wissensregion: Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Dr. Fuhrmann: Das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielt in allen Gewerken eine Rolle, egal ob in der Meisterschule für Friseure, wo es um scheinbar banale Dinge wie den Wasserverbrauch geht. Ein einfaches Beispiel hierfür ist die Auswahl der Handtücher, die so beschaffen sein sollten, dass sie im Waschprozess möglichst wenig Wasser benötigen. Friseure haben naturgemäß einen hohen Bedarf an Handtüchern, und je flauschiger und voluminöser diese sind, desto mehr Wasser wird letztendlich verbraucht.

Wissensregion: Was macht aus Ihrer Sicht die Wissensregion Düsseldorf, besonders im Kontext der Nachhaltigkeit, so attraktiv?

Dr. Fuhrmann: Düsseldorf ist einzigartig durch seine dichte und vielfältige Hochschul- und Akademielandschaft. Sowohl staatliche als auch private Hochschulen arbeiten hier engagiert daran, nachhaltige Konzepte zu integrieren und weiterzuentwickeln. Diese starke Bildungsbasis wird ergänzt durch eine rege Start-up-Szene, die auch im Bereich nachhaltiger Innovationen führend ist. Darüber hinaus trägt das ausgeprägte bürgerschaftliche Engagement erheblich dazu bei, dass wir in dem starken Wirtschaftsraum auch die notwendigen Investitionen in Nachhaltigkeitsprojekte tätigen können. Dies ist eingebettet in einem internationalen Flair, der, wie ich glaube, für das Thema Weltoffenheit eine wichtige Rolle spielt. Daher würde ich immer sagen, dass es kaum eine Region in Deutschland gibt, die für Menschen jeglichen Alters so attraktiv ist wie die Region Düsseldorf.

Wissensregion: Vielen Dank für Ihre umfassenden Einblicke in die nachhaltigen Bemühungen der Handwerkskammer Düsseldorf.

Dr. Fuhrmann: Es war mir eine Freude, diese Informationen zu teilen. Wir sind stolz auf unsere Fortschritte und freuen uns darauf, auch in Zukunft eine führende Rolle im Bereich Nachhaltigkeit einzunehmen.

Foto: Lars Brinck / Handwerkskammer Düsseldorf
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