„Die Zukunft gehört einer umfassenden Ausbildung”

Anja-Steinbeck-Wissensregion-Düsseldorf

Interview mit Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Als ein erstes zentrales Projekt der Wissensregion Düsseldorf könnte ein interdisziplinäres Innovationssemester zukünftig Studierende und Auszubildende unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenbringen. Wir haben mit Professorin Anja Steinbeck, Rektorin der Heinrich-Heine-Universität, über den aktuellen Planungsstand und die Herausforderungen dieses Projekts gesprochen.

Frau Steinbeck, was ist der Kern Ihrer bisherigen Überlegungen zum Innovationssemester?

Die Wissensregion Düsseldorf braucht innovative Ausbildungsformate, um die besten Köpfe für die Region zu gewinnen. Unsere Idee ist, Studierende und Auszubildende über ca. zwei Monate hinweg in einem Projekt zusammenarbeiten zu lassen. Beispielsweise Teilnehmende an der dualen Berufsausbildung in Unternehmen, Verwaltung und Handwerk, aber auch Studierende an den Fach- und künstlerischen Hochschulen und die Studentinnen und Studenten der Universität. Dieses Projekt soll dabei vor allem den Veränderungen am Arbeitsmarkt Rechnung tragen, die davon geprägt sind, dass berufliche und akademische Tätigkeitsfelder verschmelzen.

Wie könnte das denn in der Praxis aussehen – was sollen die so zusammenkommenden jungen Menschen gemeinsam lernen?

Die Teams aus der akademischen und der beruflichen Bildung sollen sich einem gemeinsamen Projekt mit ihrem je unterschiedlichen Wissensstand und Ausbildungsgrad widmen. Wir stellen uns Gruppen vor aus fünf bis acht Studierenden der HHU, der HSD, der Musikhochschule und der Kunstakademie sowie Auszubildenden aus Dienstleistung und Handwerk.

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Prof. Dr. Anja Steinbeck, Rektorin der HHU Düsseldorf (Bild: HHU)


Welche Überlegungen stehen hinter der Konzeption eines Innovationssemesters? Sind die klassischen Studienformate etwa überholt?

Die Zukunft gehört einer umfassenden Ausbildung aus Praxis und Theorie und nicht einer immer stärkeren Spezialisierung. Denn der Lernstoff der Gegenwart speist sich zu stark aus der Vergangenheit und ist zu wenig auf die Zukunft bezogen. Für die Zukunft ist es wichtiger, neue Methoden und neue Lernformen auf der Basis von Schlüsselqualifikationen einzuüben. So machen wir die Studierenden fit für lebenslanges Lernen. In der gemeinsamen Projektarbeit werden gleich mehrere Schlüsselqualifikationen trainiert: Zum Beispiel die Kompetenz zur Arbeit in divers zusammengesetzten Teams, das hartnäckige Verfolgen und das selbständige Bewältigen der Herausforderungen eines Projekts oder der berühmte Blick über den Tellerrand des bisher Gelernten sowie kreatives Nachdenken.

Was könnten denn das für Aufgaben sein, mit denen sich die Projektteams über ein Semester hinweg beschäftigen?

Da kommen viele Themen in Frage. Denken Sie an die Entwicklung neuer Betreuungsformen für Patienten oder Pflegebedürftige. Oder an technische Entwicklungen für praktischen Umweltschutz. Vielleicht auch einfach eine Wissensquiz-App oder die Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Die Palette ist breit.

Und wo kommen die Themen her?

Zum einen können die Studierenden sie vorschlagen. Und zum anderen möchten wir gern einen Pool von Themen entwickeln, der von unseren Partnern in der Wissensregion gespeist wird. Die Mitgliedsunternehmen der Handwerkskammer haben ganz sicher interessante Fragestellungen, genauso wie die Gewerkschaften oder die Agentur für Arbeit. Insofern verbindet das Innovationssemester die Hochschulen auch noch intensiver mit der Region.

Was ist denn nun zu tun, damit die Idee in die Praxis umgesetzt wird? Und wann können die ersten Studierenden in ein solches Innovationssemester starten?

Wir klären nun die hochschulrechtlichen Voraussetzungen dafür. Ein Beispiel hierfür ist die Frage, wie sich die Projektarbeit mit anderen Semesterveranstaltungen oder dem Weiterführen der Ausbildung verbinden lassen. Wie viele Credits können angerechnet werden? Wie viele Plätze können je Semester dafür angeboten werden? Welche Anregungen haben die Partner der Wissensregion dafür? Zum Zeitpunkt – da bin ich optimistisch: Im Wintersemester nächsten Jahres sollten wir einen ersten Testlauf hinbekommen.

Frau Steinbeck, wir danken Ihnen für dieses Interview.